Geschichten und Märchen aus den USA (Erstellt: 01.11.2023)
In den USA erfreuen sich Schweizer Waffen grosser Beliebtheit. Gewiefte Geschäftemacher erfinden laufend neue Geschichten, um die Preise in die Höhe zu treiben. Hier einige davon:
Heller Riegelgriff/Riegelschieber an Armee-Karabiner 31
In amerikanischen Foren wird immer wieder behauptet, dass verschiedene neuere
Karabiner 31 blanke oder helle Riegelgriffe haben. Gemäss aktuellem Wissensstand und gemäss Fachliteratur (u.a.
Schweizer Militärgewehre Hinterladung 1860-1990 (Ernst Grenacher), Seite 575) wurden die hellen Riegelgriffe (welche aus Stahl gepresst wurden und ungehärtet und blank waren), bis 1937 hergestellt und an Armeewaffen montiert. Ab diesem Zeitpunkt wurden diese neu aus Stahlblech gestanzt, gehärtet und brüniert. Bei Neuinstandstellungen wurden die Riegelgriffe gegen die neue Bauform ausgetauscht.
Wie kann es nun sein, dass offensichtlich helle Riegelgriffe an späteren Armee-
Karabiner 31 auftauchen? Folgende Möglichkeiten bestehen:
- die Riegelgriffe der späten
Karabiner 31 wurden irgendwann mal aus- bzw. vertauscht.
- die Riegelgriffe waren abgenutzt und die Brünierung wurde abgeschliffen. Dies dürfte bei den in den USA auftauchenden Waffen sehr wahrscheinlich sein, weil die Abnutzungsspuren am Riegelgriff den Verschleiss der Waffe sehr gut dokumentieren können. Sind die Verschleissspuren weg, so steigert sich automatisch der Verkaufswert. Einen Riegelgriff von der Brünierung zu befreien dauert mit feinster Stahlwolle nur ein paar Minuten.
- es gab ein riesiges Lager an hellen Riegelgriffen, aus welchem rein zufällig immer mal wieder ein Stück entnommen und an neuen bzw. neuinstandgestellten
Karabiner 31 montiert wurden. Dies ist die Geschichte, welche uns die Geschäftemacher weis machen wollen, welche aber sehr, sehr unwahrscheinlich ist.
- die bereits
Zusammengestückelte, ergänzte und aufgehübschte Waffen
Zwischen der Schweiz und den USA gibt es gravierende kulturelle Unterschiede. Eine Waffe wie ein
Karabiner 31 war die persönliche Waffe des Soldaten, der Soldat war persönlich für sein Gewehr verantwortlich. Reparaturen wurden immer durch die Zeughäuser oder autorisierte Waffenhändler/Büchsenmacher vorgenommen, wobei immer die Nummerierung der ersetzten Teile entsprechend vorgenommen wurde. So wurden verlorene Magazine IMMER durch Magazine ohne Nummer ersetzt, welche dann entsprechend nummeriert wurden. Das selbe selbstverständlich auch bei Läufen, Verschlusshülsen und Schäften! Ein nicht-nummerngleiches Gewehr gab es in der Schweizer Armee niemals.
Erst nach Ende der Dienstzeit eines Gewehres können somit falsch nummerierte Teile an die Waffen gelangt sein. Sei dies durch einen privaten Eigentümer in der Schweiz, durch den Waffenhändler in der Schweiz oder durch den US-Importeur.
Der amerikanische Markt verlangt nach gutaussehenden Waffen. Aussehen ist oft wichtiger als Originalität, Originalität gibt aber einen Preisbonus. So kommt es, dass die Schweizer Gewehre extra darauf ausgerichtet werden. Riegelgriffe werden poliert oder ausgetauscht, Schäfte werden abgeschliffen, neu lackiert und/oder ausgetauscht, etc.
Den amerikanischen Käufern wird dann weisgemacht, dass dies in der Schweizer Armee oder in Zeughäusern vorgenommen wurde, um die Originalität der Waffen nicht zu gefährden und um den Preis weiter in die Höhe zu treiben.
Social Media
In den sozialen Medien und in Internetforen werden die Gewehre diskutiert. Dabei werden gezielt Falschinformationen gestreut, so dass aus einem zusammengestückelten
Karabiner 31 plötzlich ein ganz spezielles Stück wird. Dies wird von gewissen Akteuren gezielt gestützt. Offen ist, ob diese Akteure eigenständig handeln oder in Verbindung zu Firmen stehen, welche ein Interesse daran haben, dass die Preise auch für schlechte Waffen hochgedrückt werden. Hinweise auf Fachliteratur und Spezialisten werden gezielt mit Pseudobeweisen und penetrantem Auftreten "widerlegt".